So arbeitest du mit den Fällen
Diese Fallbeispiele sind typisch für die schriftliche Prüfung:
- Lies die Fallbeschreibung sorgfältig
- Bearbeite die Aufgaben schriftlich
- Vergleiche danach mit der Musterlösung
Fall 1: Frau Müller – Sturzrisiko nach Hüft-TEP
ChirurgiePatientendaten
Situation
Frau Müller ist zur Mobilisation aufgestanden und wirkt sehr unsicher. Sie hat Angst vor einem erneuten Sturz und gibt Schmerzen (NRS 5) bei Bewegung an.
Vitalzeichen
Aufgaben
- Erstellen Sie eine Pflegediagnose (PESR) zum Sturzrisiko.
- Nennen Sie 4 Risikofaktoren für einen Sturz.
- Formulieren Sie ein SMART-Ziel.
- Planen Sie 5 pflegerische Maßnahmen.
✅ Musterlösung
PESR-Diagnose:
P: Hohes Sturzrisiko
E: Z.n. Hüft-TEP, Bewegungsunsicherheit, Sturzangst, Schmerzen
S: Unsicherheit beim Aufstehen, Sturzangst, NRS 5
R: Kooperativ, motiviert
Risikofaktoren: Postoperativer Zustand, Schmerzen, Sturzangst, Alter, Diabetes (Polyneuropathie), Antihypertensiva
SMART-Ziel: Frau Müller geht bis Freitag mit Rollator 20m sicher auf dem Flur bei max. NRS 3.
Maßnahmen: Schmerzmedikation vor Mobilisation, Mobilisation mit Rollator und Begleitung, rutschfeste Schuhe, Sturzrisiko-Assessment, Klingel in Reichweite
Fall 2: Herr Schmidt – Herzinsuffizienz
Innere MedizinPatientendaten
Situation
Herr Schmidt wurde wegen Luftnot und Beinödemen aufgenommen. Er kann nur wenige Schritte gehen. Nachts wacht er wegen Atemnot auf. Gewichtszunahme: 4 kg in einer Woche.
Vitalzeichen
Aufgaben
- Erklären Sie die Ödementstehung bei Herzinsuffizienz.
- Was bedeutet NYHA III?
- Formulieren Sie eine PESR-Diagnose zur Atemnot.
- Welche Maßnahmen sind bei Ödemen wichtig?
- Warum täglich wiegen?
✅ Musterlösung
Ödementstehung: Herz pumpt unzureichend → venöser Rückstau → erhöhter Druck → Flüssigkeit tritt ins Gewebe. RAAS-Aktivierung verstärkt Wasserretention.
NYHA III: Erhebliche Einschränkung, Beschwerden bei leichter Aktivität (I=keine, II=leicht, III=erheblich, IV=Ruhe)
PESR: P: Dyspnoe / E: Herzinsuffizienz NYHA III / S: Luftnot, AF 24, SpO₂ 91%, Orthopnoe / R: orientiert, kooperativ
Maßnahmen Ödeme: Tägliches Wiegen, Bilanzierung, Beine hochlagern, Hautpflege, Kompression nach AVO, Flüssigkeitsrestriktion
Tägliches Wiegen: Sensibelster Parameter für Flüssigkeitshaushalt. >1 kg/Tag = Warnsignal für Dekompensation.
Fall 3: Frau Weber – Demenz
GerontopsychiatriePatientendaten
Situation
Frau Weber zeigt abendliche Unruhe, sucht nach ihrer verstorbenen Mutter, reagiert aggressiv. Körperpflege wird abgelehnt. Gewichtsverlust: 3 kg in 4 Wochen.
Aufgaben
- Was ist "Sundowning"?
- Nennen Sie mögliche Ursachen für das Verhalten.
- Wie reagieren Sie auf die Suche nach der Mutter?
- Maßnahmen zur Nahrungsaufnahme?
- Wie kann Körperpflege angepasst werden?
✅ Musterlösung
Sundowning: Vermehrte Unruhe/Verwirrtheit bei Dämmerung. Ursachen: gestörter Rhythmus, Müdigkeit, weniger Licht.
Verhaltensursachen: Unerkannte Schmerzen, HWI (!), Überforderung, unerfüllte Bedürfnisse, Sehnsucht nach Sicherheit
Reaktion "Mutter": NICHT korrigieren! Gefühle validieren ("Sie vermissen sie?"), ablenken, Bedürfnis erkennen, begleitetes Laufen ermöglichen
Nahrungsaufnahme: Finger Food, kleine Portionen, Lieblingsgerichte (Biografie!), ruhige Umgebung, kontrastreiches Geschirr, gemeinsam essen
Körperpflege: Zeitpunkt flexibel, Teilschritte, gewohnte Produkte, Selbstständigkeit fördern, bei Ablehnung später erneut versuchen